Interview Politik
»Ideen für neue Produkte sind das wichtigste Kapital«
Bayerns Wirtschaftminister Otto Wiesheu über das »Ertüchtigungsprogramm Ostbayern« und den Wert des Designs für die Zukunft
Das Coburger Designforum Oberfranken (CDO) sprach mit dem Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie über Risiken und Chancen der Regionalförderung. Jüngstes Projekt ist das »Ertüchtigungsprogramm Ostbayern«:
Sie geben Millionen aus für ein sogenanntes Ertüchtigungsprogramm. Fitness für Firmen auf Staatskosten – ist das die Idee?
Wiesheu: Wettbewerbsfähige Firmen schaffen oder sichern Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Bei dem verschärften internationalen Wettbewerb, den wir erleben, können wir unseren Wohlstand nur sichern, wenn wir in der Offensive bleiben und durch technische, wirtschaftliche und soziale Innovationen Vorsprungsgewinne erwirtschaften. Dabei hilft das Ertüchtigungsprogramm im gesamten nord- und ostbayerischen Raum.
Warum setzen Sie dabei ausgerechnet auf einen so weichen Faktor wie das Design?
Wiesheu: Weil das Design alles andere als nur ein weicher Faktor ist. Gut gestaltete Produkte sind auch gut durchdachte Produkte. Keine gute Form entsteht von allein. Und gut durchdachte Produkte finden auch Märkte. Sie erzielen andere Preise als Billigwaren. Das ist das Feld, auf dem wir erfolgreich sein müssen.
Sie verabreichen Design in Workshops wie eine Arznei. Kann man Design verordnen wie ein Medikament?
Wiesheu: Das sehe ich anders. Unsere Workshops werden nicht wie sonst üblich von künstlerisch orientieren Entwurfsexperten geleitet, sondern von erfahrenen Produktentwicklern mit Marktkenntnis bzw. Marketingerfahrung. Sie haben die Aufgabe, die Workshopteilnehmer zielorientiert mit sogenannten Paten zusammen zu bringen. Das sind Wirtschaftsunternehmen. Sie sorgen für die Synergiebildung zwischen den Teilnehmern innerhalb des betreuten Workshopbereichs. Bei speziellen fachlichen Problemen binden die Workshopleiter Spezialisten aus Firmen ein, die einen besonderen Beitrag zur der Leistungsverbesserung der Produktideen leisten können.
Wie viele neue Produkte sollen in den Workshops zur Marktreife kommen?
Wiesheu: Wir wollen rund 70 Produktideen durchleuchten. Ziel der Workshops ist es, für jede Produktidee ein Wirtschaftsunternehmen als Paten zu finden. Das hat zur Folge, daß rund 70 Unternehmen mitmachen sollen. Kommen Hersteller spezieller Materialinnovationen hinzu, kann sich die Zahl bis zu 100 steigern. Aufgabe der Paten ist es, die Produktentwicklung mit Rat und Tat zu begleiten. Jeder Pate verpflichtet sich nämlich, die Prototypenherstellung fachlich und materiell zu unterstützen. Damit das zügig regional greift, sollen die Firmen, die als Paten aktiv sind, nach Möglichkeit ihren Firmensitz in Ostbayern haben.
Wer kommt als Pate in Frage? Jeder, der will? Oder suchen Sie aus?
Wiesheu: Wir geben Unternehmen den Vorzug, die designorientiert arbeiten wollen. Für sie haben wir ein Superangebot: die Teilnahme an einem der Workshops, die Zuführung von Produktinnovationen, Hilfe bei der Umsetzung in marktfähige Produkte, Einbindung in das Ausstellungs- und Präsentationskonzept und so weiter. So erleben die Unternehmen auf positive Weise, was Design als Markterfolgsfaktor bedeutet.
Für die Firmen also eine echte Chance. Und für die Designer, gerade die jungen? Wird man auch den Nachwuchs ausreichend einbinden können?
Wiesheu: Für die Teilnahme an den Workshops können sich kreative Menschen schon in der Ausbildung bzw. am Beginn ihres beruflichen Werdeganges mit innovativen, ausgearbeiteten Entwürfen bewerben. Das Coburger Designforum Oberfranken entscheidet, ob eine Idee oder Produktinnovation in das Workshopkonzept passt und ob die Idee die nötige Innovationshöhe hat, die wir in den Workshops anstreben. Studenten und Fachschüler der einschlägigen Fachrichtungen können in einem Workshop aber auch ihr Praktikum absolvieren.
Auf wie lange ist das Programm angelegt?
Wiesheu: 2004 hat es begonnen. Bis Ende 2006 wird es laufen. Designer aus Coburg und Möbelfirmen aus dem Raum Coburg machten den Anfang. Mit ihren Ideen geht das Designforum auf große Messen und vermarktet diese Ideen. Andere Projekte in anderen Städten werden folgen. Das Programm »Erfolg durch Design« soll den gesamten nord- und ostbayerischen Raum innovationsfähiger machen. Die Erfahrung zeigt, dass gerade die Beschäftigung mit dem Design dazu führt, alle Prozesse in einer Firma neu zu durchdenken. Und darauf kommt es ja an: Alles auf den Prüfstand zu stellen, um neue Wege für effektive und effiziente Arbeit zu finden. Firmen, die sich dabei engagieren, erarbeiten sich neue Leistungsprofile. Mit denen haben sie gegen die Billigkonkurrenz aus dem Osten dann eine wirksame Strategie.
Alle Verwertungsrechte sind frei. Ein Belegexemplar bzw. ein Link zu einer Online-Veröffentlichung wird erbeten.






