Köln in Sicht!
Coburger Studenten liefern Vorbereitungsmarathon für Möbelmesse
Von Christian Göller
Coburg – In Wellen bewegen sich in diesen Tagen Voraustrupps von Coburger FH-Studenten aus dem Fachbereich Integriertes Produktdesign/Innenarchitektur von der Itz an den Rhein. Denn am Montag ist es soweit, dann wird die IMM Cologne, die Kölner Möbelmesse, ihre Tore öffnen. Rund 50 Studenten waren mit den Vorbereitungen, die in der intensiven Phase seit Anfang Dezember andauern, beschäftigt und/oder werden in der Rheinmetropole vor Ort sein. Die Coburger Fachhochschule wird auch in diesem Jahr wieder mit aufwendigen Präsentationen beispielsweise für das vom bayerischen Wirtschaftsministerium geförderte Workshopkonzept »Erfolg durch Design« oder in Eigenwerbung als Studiengang auf dem Future Point, der Börse für Hochschulstudiengänge im Bereich Gestaltung, in Köln mit dabei sein.
Ein Blickfänger wird aller Voraussicht nach die Ausstellung futuristischer Leuchtkörper aus dem edlen Rohmaterial Siliciumkarbid sein, Ergebnisse einer »Erfolg durch Design«-Kooperation zwischen den Professoren Raab und Stübbe, die ihre Studenten anleiteten, und dem in Rödental ansässigen Zweigbetrieb des Unternehmens St. Gobain mit seinem Geschäftsführer Richard Utzschneider. Beachtliche Objekte sind in den Monaten des Abstimmungsprozesses zwischen den jungen Kreativen und dem Industriebetrieb entstanden. Der französische Weltkonzern St. Gobain ist führend in der Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung des »künstlichen Rohstoffes« Siliziumkarbid, der sich durch seine Robustheit für industrielle Zwecke hervorragend eignet. Allerdings zu einem Kilopreis von rund 50 Euro. Aus einer Auswahl von Formen, von denen St. Gobain rund 30 000 verschiedene Objekte im Lager bereit hält, gestalteten die jungen Nachwuchsdesigner ideenreich Beleuchtungskörper, die nun auf er Köln-Messe ausgestellt werden. »Wir werden diesen Weg ernsthaft weiter beschreiten und uns völlig neue Märkte eröffnen«, bilanziert Richard Utzschneider seine Marketingstrategie, der überzeugt ist, dass sich das hochwertige Material für die Verwendung in Luxus-Design-Objekten hervorragend eignet. Deshalb hat er sogar ein deutsches und europäisches Gebrauchsmuster für diesen Verwendungszweck erwerben lassen. Eine neue Stoßrichtung für seinen Unternehmenszweig, der vornehmlich in der Herstellung von Hilfsstoffen und Teilen in der Baubranche und Keramikindustrie beheimatet ist.
Während im ersten Stock des Hofbrauhauses die Präsentation der Siliciumkarbid-Objekte erfolgt, wird in den Werkstätten im Untergeschoss noch fleißig Hand von Studenten angelegt. Das Designercafé, während der Coburger Designtage sozialer Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe, dient als Zwischenlager für Standelemente, die kurz vor ihrem Abtransport nach Köln stehen. An modernen Maschinen wird gesägt, gehobelt und gebohrt. Emsig streichen Studentinnen und Studenten Standwände blütenweiß für ihre Lebensdauer, die das Ende der Messe wohl nicht lange übertreffen wird.
Im zweiten Stock treffen sich Professor Auwi Stübbe und Prof. Werner Kintzinger zu einem der letzten Strategiegespräche vor der Messe. Die Vorbereitungen erfolgen nach ihren Vorgaben weitgehend autonom verwaltet von ihren Studenten, wobei die »erfahrenen Semester« die »Frischlinge« anleiten. Denn fest angestelltes Personal ist inzwischen knapp in ihrem Fachbereich, der wie kaum ein anderer immer wieder für Furore gesorgt hat. In einem Bereich, dessen Aktivitäten stetig expandieren, wurden wie in anderen Bereichen der Coburger FH Mittel gestrichen, um den Haushaltsauflagen gerecht zu werden.
Stübbe und Kintzinger sehen das Heil für ihre Studenten in einer noch engeren und ersprießlicheren Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Noch mehr gemeinsame Projekte sollen angestoßen und Drittmittel locker gemacht werden. »Wir müssen die Konturen der Coburger Innenarchitekten und Designer noch weiter schärfen«, wünscht sich Auwi Stübbe, der bestrebt ist, seinen Fachbereich im Bezug auf den Wettbewerb um die begabtesten Studenten und das Wohlwollen der Wirtschaft weiter im vorderen Feld zu halten. »Firmen wollen mit erfolgreichen Studenten zusammenarbeiten« resümiert er seine Erfahrungen. Auch an den Messeständen der hiesigen Möbel-Unternehmen, die aufwendige Auftritte in Köln unterhalten werden, haben Studenten konzeptionell und gestalterisch mit gearbeitet. Das Cluster in diesem Bereich in unserer Region ist im Wachsen, verästelt sich und profitiert von dem Wissenstransfer aus dem Hofbrauhaus, dessen Wurzel, die klassische Innenarchitektur, in diesem Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen in Coburg feiern wird.
Fotos: C. Göller






